Lange Haube trifft Harlekin
Von Wolfgang Wieland
Von hyperlangen Motorhauben bis zum bunt getarnten Elektro-Kleinwagen: Beim Car Design Event 2026 (CDE) in München zeigte sich, wie vielfältig die Zukunft des Automobils aussehen kann. Designer, Ingenieure und Visionäre trafen sich im Drivers & Business Club, um über Lichtsignaturen, digitale Cockpits und die Formensprache von morgen zu diskutieren.
Treffpunkt der Designszene
Großer Bahnhof im Auto-Paradies: Beim vierten Car Design Event (CDE) im Münchner Drivers & Business Club traf sich die Designszene. Nationale und internationale Fahrzeugdesigner diskutierten mit Journalisten, Influencern, Studenten und Zulieferern über die Zukunft der Formensprache auf vier Rädern. Zahlreiche Premieren und Enthüllungen sorgten bei den mehr als 250 Teilnehmern für reichlich Gesprächsstoff.
Wenn Licht zum Markenzeichen wird
Ein brillant leuchtendes Highlight kam aus dem Lichtlabor von Edag. Dort erkannte man früh, dass Außenbeleuchtung im Fahrzeugdesign immer wichtiger wird. Moderne Autos nutzen längst nicht mehr nur Scheinwerfer und Rückleuchten. Sie inszenieren sich mit dekorativen Lichtbändern und Signalen über die gesamte Fahrzeugbreite. Anpassungen der Vorschriften in den wichtigen Absatzmärkten haben dafür den Gestaltungsspielraum erweitert – ein Freiraum, den Hersteller kreativ nutzen.
Das Phosphor-Lichtmodul von Edag zeigt, wohin die Reise geht: interaktive Signale mit dynamischen Lichtabläufen, Begrüßungs- und Verabschiedungssequenzen sowie durchgehende Heckleuchten. Außenlicht wird damit immer stärker Teil der Markeninszenierung – etwa durch hinterleuchtete Kühlergrills oder großflächige Lichtflächen.
Leichtbau auf zwei Rädern
Novus – lateinisch für „der Neue“ – heißt ein futuristisches Elektrobike, das Design und Leichtbau konsequent zusammendenkt. Gerade einmal 108 Kilogramm bringt das elektrische Leichtkraftrad mit Monocoque-Carbonrahmen auf die Waage.
Bis zu 150 Kilometer Reichweite und elektronisch begrenzte 125 km/h stehen im Datenblatt. Zum Marktstart gibt es zwei limitierte Editionen: Die Boss-Edition (100 Stück) kostet 32.450 Euro, die Founders-Edition (500 Stück) startet bei 25.850 Euro. Besonderes Detail: das in die Carbonstruktur eingewebte Boss-Logo.
Der Rückspiegel wird digital
Wer statt nach vorn lieber einmal in den Rückspiegel schaut, wurde bei Gentex fündig. Das Unternehmen zeigte einen digitalen Rückspiegel, der das klassische Blickfeld deutlich erweitert.
Eine hochauflösende Kamera projiziert den gesamten rückwärtigen Verkehr auf ein Full-HD-Display – selbst bei verdunkelten Scheiben oder mit Anhänger im Schlepptau. Automatische Helligkeitsanpassung, Kontrastverstärkung und Echtzeit-Overlays sorgen für klare Sicht bei Nacht und schlechtem Wetter.
Warnhinweise für Querverkehr oder herannahende Fahrzeuge erscheinen direkt im Bild, Augumented-Reality-Elemente unterstützen zusätzlich beim Spurhalten. Der Rückspiegel wird so zum kleinen Hightech-Cockpit.
Skulpturen aus Korea und Stuttgart
Auch Korea war in München vertreten. Genesis brachte mit dem X Gran Equator Concept eine Europapremiere zum CDE. Die skulpturale Studie bewegt sich stilistisch zwischen Gran Turismo und Luxus-Coupé. Lange Haube, kraftvoll gespanntes Heck und eine markante Lichtsignatur verleihen dem Fahrzeug eine fast nautische Eleganz.
Eine noch längere Motorhaube – die längste des Events – präsentierte Mercedes-Benz mit dem Vision Iconic. Klare Flächen, scharf gezeichnete Linien und eine Lichtsignatur lassen das Fahrzeug wie einen leuchtenden Monolithen erscheinen.
Innen empfängt eine lichtdurchflutete Lounge mit großformatigen Displays und nachhaltigen Materialien. Autonomes Fahren wird hier als Erlebnisraum gedacht. Bleibt abzuwarten, ob Chefdesigner Bastian Baudy die Steilvorlage seines Vorgängers Gorden Wagener weiterspielt.
Wolfsburger Zukunft im Harlekin-Look
Außen Harlekin, innen Zukunft aus Wolfsburg: Beim Car Design Event stand ein bunt beklebtes Vorserienmodell des Volkswagen ID Polo. Der Innenraum wirkt überraschend erwachsen. Statt klassischem Kleinwagen-Flair dominiert eine luftige Architektur mit breitem Displayband und schwebender Mittelkonsole. Ambientebeleuchtung setzt Türen und Armaturenbrett in Szene, während nachhaltige Materialien für ein modernes Ambiente sorgen.
Nettes Detail: Die Instrumente lassen sich auf Wunsch auf einen 80er-Jahre-Look umschalten.
Designoffensive aus Europa und Asien
Auch Skoda öffnet mit der Studie Vision O ein neues Designkapitel. Das kompakte SUV-Konzept kombiniert klare Linien, markante LED-Lichtbänder und ein flexibles Raumkonzept.
Lamborghini-Chefdesigner Mitja Borkert kam direkt aus dem Centro Stile in Sant’Agata Bolognese nach München. Im Gepäck: der Lamborghini Manifesto, ein hybrides Hyper-Konzept mit aggressiver Linienführung und über 1000 PS Systemleistung. Daneben der Fenomeno mit Y-förmigem Lenkrad und holografischen Displays.
Bühne für Visionen
Und das war noch längst nicht alles: Kia zeigte mit dem EV2 eine Designstudie für die Kompaktklasse, die US-Marke Slate präsentierte eine neue Evolutionsstufe ihres Elektro-Pick-ups, Hyundai brachte die seriennahe Ioniq-3-Studie.
UE Studios stellten mit der Studie SUE ein Konzept für den öffentlichen Nahverkehr vor, Norton Bikes kam mit zwei Superbikes, Alpine mit dem spektakulären Alpenglow Concept.
Kein Wunder also, dass sich auch prominente Namen der Szene blicken ließen – darunter Audi-Chefdesigner Massimo Fraschella, Fabrizio Giugiaro und Walter de Silva. (Copyright Autoren-Union Mobilität)
