Eine Art Bilanz unserer Autoren
Auch 2025 beendete die Redaktion der Autoren-Union Mobilität wieder mit einem ganz persönlich geprägten Rückblick der Redakteure und Autoren. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass in dieser Redaktion Meinungsvielfalt ein Chance hat, dann liefert ihn dieser Rundumschlag
Guido Borck
Top: Ein europäisches Elektroauto für unter 20.000 Euro
Renault hat den Twingo Electric als Serienmodell im Herbst vorgestellt. Der Elektro-Kleinwagen kommt im März 2026 auf den Markt und startet zu einem Einstiegspreis von unter 20.000 Euro. Damit zielt der fünftürige Franzose auf ein Segment, das bisher Verbrennern vorbehalten war – ein alltagstauglicher Stromer als pragmatische Mobilitätslösung.
Renaults Ansatz könnte genau das sein, was der E-Mobilität bislang in der Breite gefehlt hat. Der Elektromotor im Twingo leistet 60 kW (82 PS) und stellt 175 Newtonmeter Drehmoment bereit. Damit beschleunigt der 3,79 Meter kurze Elektro-Zwerg in 12,1 Sekunden auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 130 km/h begrenzt. Die 27,5?kWh-Batterie ermöglicht eine Reichweite von bis zu 263 Kilometer nach WLTP-Norm, was vor allem den täglichen Pendelverkehr in einem urbanen Umfeld abdeckt.
Unverändert bleibt der Charakter als Stadtprofi: kompakte Außenmaße, vier vollwertige Sitzplätze und eine betont einfache Bedienung.
Mit seinem 3,79 Meter kurzen Format zitiert der kleine Stromer das Design des Ur-Twingo von 1993 und übernimmt zugleich dessen variables Raumkonzept. Die beiden verschiebbaren Fondsitze erlauben wahlweise mehr Knieraum oder zusätzlichen Stauraum.
So bietet der vollelektrische Twingo bis zu 360 Liter Gepäckvolumen, bei umgeklappter Rückbank über 1000 Liter – und dank umlegbarer Beifahrerlehne sogar Platz für bis zu zwei Meter lange Gegenstände. Zahlreiche Ablagen unterstreichen seinen praktischen Alltagseinsatz für Singles, kleine Familien oder Carsharing-Flotten. Und das zu einem Preis unter 20.000 Euro – damit wird Elektromobilität bezahlbar.
Flop: Das leise Aus der Pkw-Brennstoffzelle
Lange galten Brennstoffzellen-Autos als eine der großen Hoffnungen für eine emissionsarme Mobilität. In Deutschland hat Wasserstoff im Pkw-Sektor offenbar kaum noch eine Zukunft. Der Grund dafür liegt weniger in der Technik an sich – die funktioniert problemlos –, sondern in der Gesamtbilanz aus Effizienz, Infrastruktur und Marktrealität. Mit rund 18 Euro pro Kilogramm ist das Tanken deutlich teurer als das Laden von Strom.
In der Praxis reicht ein Kilogramm Wasserstoff in einem typischen Brennstoffzellen-Pkw für rund 100 Kilometer Fahrstrecke. Das hebt den Kilometerpreis auf ein Niveau, das deutlich über dem von vergleichbaren Batterie-E-Autos und Fahrzeugen mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren liegt. Hinzu kommen hohe Anschaffungskosten und ein immer dünner werdendes Tankstellennetz, das immer stärker auf Nutzfahrzeuge ausgerichtet ist.
Technisch bieten Brennstoffzellen-Fahrzeuge durchaus Vorteile: Sie lassen sich schnell betanken, bieten ordentliche Reichweiten und fahren lokal emissionsfrei. Doch nur zwei Hersteller bieten sie an: Toyota mit dem Mirai und Hyundai mit dem Nexo haben gezeigt, dass sich alltagstaugliche Serienfahrzeuge mit Brennstoffzelle realisieren lassen.
Beide Modelle bleiben jedoch Exoten auf dem Markt, werden in homöopathischen Stückzahlen verkauft und sind bei uns nur in wenigen Regionen überhaupt sinnvoll nutzbar. Zwar ist der Wirkungsgrad von Brennstoffzellen-Autos geringer als der von rein batterieelektrischen Fahrzeugen, doch der Antrieb ist sauber, da aus dem Auspuff nur reines Wasser tropft.
Zwar entwickeln Hersteller wie Toyota und Hyundai ihre Brennstoffzellentechnik weiter, doch längst zeichnet sich ab: Die Zukunft der individuellen Elektromobilität in Deutschland ist batterieelektrisch. Für Technologieoffenheit und Förderung von Wasserstoff bleibt kein Raum. Somit ist der Traum vom sauberen Wasserstoffantrieb im Pkw vorerst ausgeträumt. Oder besser gesagt: verflüchtigt – leider.

Michael Kirchberger
Top: Stellplätze für Camper
Was vor mehr als 40 Jahren in einer Kleinstadt am Rande des Bayerischen Waldes entstand, ist längst zum tragenden Geschäftsmodell geworden: Das Viechtacher Modell, nach dem das Übernachten im Reisemobil auf bestimmten Verkehrsflächen auch außerhalb von Campingplätzen erlaubt ist, ist vielerorts umgesetzt worden.
Während die Zahl bis zum Jahr 2000 nur mäßig angestiegen war, hat die Zuwachsrate zusammen mit der Absatzsteigerung von Reisemobilen während der Corona-Krise erheblich an Dynamik gewonnen. Die konventionellen Camps stagnierten 2024 bei 3219 Plätzen, Stellplätze hingegen erreichten 5500 Standorte.
Ermuntert werden künftige Betreiber durch Aktionen wie den Deutschen Stellplatztag seit 2020 während des Caravan Salons in Düsseldorf und die Vorstellung sogenannter Musterstellplätze, die dank eines modularen Aufbaus relativ leicht einzurichten sind. Vor allem aber die Erkenntnis, dass die Camper für die örtliche Gastronomie und den Einzelhandel ein Segen sein können, hat sich herumgesprochen.
Bis zu 150 Euro gibt ein Camper-Paar auf Reisen jeden Tag aus. Vor allem Winzer haben dies erkannt. Nach ausführlicher Verkostung der Erzeugnisse aus den Weinbergen oder dem Besuch der angeschlossenen Gutsschänke muss kein Kilometer mehr mit dem Auto zurückgelegt werden. Und: Bei vielen Mobilen stellt der große Stauraum an Bord kaum ein Limit für das Einkaufsvolumen dar.
Flop: Notdürftige Basisfahrzeuge
Die Preise für Reisemobile sind in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Hersteller und Händler haben während der Rekordabsätze zu Zeiten der Corona-Krise, als mehr Urlauber als sonst aufgrund des Lockdowns ihr Herz fürs Campen entdeckt haben, gelernt, dass der Kunde bereit ist, tiefer in Tasche zu greifen.
Das ist nun vorüber, vielen ist die Anschaffung eines Campers einfach zu teuer geworden. Nun besinnen sich einige Anbieter auf das Wesentliche, bieten Fahrzeuge zu Schlagerpreisen wie vor zehn Jahren an, die allerdings nur mit Hilfe erheblichen Verzichts zu Stande kommen können.
Bürstner beispielsweise bietet mit dem Papillon so einen ausgebauten Citroën Kastenwagen für knapp 40.000 Euro an. Dafür gibt es aber weder eine Toilette noch eine Kühlmöglichkeit an Bord. Die Sitzbank hinten hat keine Gurte, so dürfen nur zwei Camper auf die Reise gehen.
Das mag Mitte des vorigen Jahrhunderts noch angemessen gewesen sein, als wenige tausend Kastenwagen mit Organgenkisten und Sofapolstern zu Campingvans gemacht wurden. Heute, nachdem der Bestand der Reisemobile die Millionengrenze überschritten hat, ist es nicht mehr denkbar, das „Geschäftliche“ im angrenzenden Waldstück zu erledigen oder nach der Ankunft auf ein Kaltgetränk zu verzichten.
Anbieter von Stellplätzen gestatten heute immer häufiger nur Mobilen mit WC an Bord das Übernachten auf ihrem Terrain. Ach ja, auch das Billig-Mobil lässt sich mit allerlei Extras wie Toilette, Gurtgestell oder Solaranlage ausstatten. Dann aber stehen gleich wieder mehr als 60.000 Euro auf der Rechnung.
Ein gut geräumter Platz ist Gold wert. Wer auf Schnee steht, legt am besten Bretter unter die Hubstützen, damit beim Tauwetter nichts wegrutscht. Beim Reisemobil heißt es: Erster Gang rein, Handbremse lösen – sonst friert die fest.
Dann steht dem Winterabenteuer im eigenen mobilen Chalet nichts mehr im Weg. Heizung an, Tee aufsetzen – und einfach mal die Stille genießen. (aum)

Jens Riedel
Top: Den sechsten Gang geschenkt
Das emotionale Erlebnis des Motorradfahrens hängt – anders als häufig beim Auto – nicht von der Leistung ab. Eines der besten Beispiele ist in diesem Jahr die frisch modifizierte Triumph Speed Twin 900. Sie bietet angesichts ihrer Hubraumgröße bescheiden wirkende 65 PS (48 kW) bei 7500 Umdrehungen in der Minute, aber eben auch 80 Newtonmeter Drehmoment bei 3800 Touren. Das sorgt für ordentlich Schub in der unteren Hälfte des Drehzahlbandes.
Da braucht es den sechsten Gang nicht – den sich Triumph deshalb auch gleich geschenkt hat, denn Kraft aus dem Keller ist ja genug da. Dazu darf der Twin noch nach Altvätersitte tuckern, blubbern, stampfen und bollern, ohne dass es – den modernen Zeiten sei dank – wie früher gleich das ganze Motorrad durchschüttelt. Wir sind dann mal (hin und) weg.
Flop: Ein Auto ohne Radio
Wann haben Sie das letzte Mal in einem Neuwagen ohne Radio gesessen? Ich bin zugegebenermaßen kein Freund von technisch überbordendem Schnickschnack und Firlefanz im Auto, aber einen Neuwagen für über 23.000 Euro lediglich mit einer Handyhalterung als einzigem Infotainmentbestandteil anzubieten, ist schon fast frech zu nennen.
Wenigstens ein Radio mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung hätte Citroën dem Basismodell des e-C3 gönnen können. Das kostet auch von Markenherstellern nur um die 100 Euro. Das hätte im Fahrzeugpreis wohl noch drin sein dürfen. Und für 200 bis 300 Euro bekommt man auch schon Geräte namhafter Firmen, die auch noch Android Auto und Apple Carplay können. Doch selbst die eigene Nachrüstung läuft ins Leere: Es gibt gar keinen Radioschacht im kleinen Citroën.

Frank Wald
Top: Erschwingliche Elektroautos
Deutschlands E-Auto-Markt sortiert sich neu: Zwischen Premiumkarossen tauchen immer mehr Stromer auf, deren Preisschild nicht nach Vorstandsetage, sondern nach Tarifvertrag aussieht. Mit den bis zu 25.000-Euro-Modellen, entsprechenden Kampfpreisen im Leasing und dem Druck chinesischer Herausforderer scheint der Umstieg auf die Stromer nicht länger wie ein Luxusprojekt, sondern wie eine realistische Option für die breite Mitte.
Zwar hakt es immer noch bei der Ladeinfrastruktur, den Strompreisen und Restwerten sowie mancher Reichweitenfantasie aus dem Prospekt. Aber mit sinkenden Preisen, verbesserter Technik und mehr Wettbewerb rutscht die Elektromobilität langsam aus der grünen Lifestyle-Ecke in den automobilen Mainstream.
Flop: Elon Musk und Tesla-Käufer
Teslas Verkäufe brachen in diesem Jahr ein wie deren unzureichende Autopilot-Technologie gegen die Mauern der Realität. Schuld daran einmal mehr Elon Musk – für die einen immer noch mutiger Visionär, für die anderen immer schon großmauliger Narzisst mit zu viel Geld.
Zwar wurde dem Trump-Schoßkind inzwischen der Job als selbsternannter „Kettensäge“ der US-Verwaltung von seinem grenzdebilen Herrn entzogen. Auf seiner Hassschleuder X ist er mit fragwürdigen Tweets und faschistoiden Flirts aber weiter auf politischer Geisterfahrt.
Einst stand Tesla für Fortschritt, heute ist jedes Auto eine Mahnung: Kaufe nicht bei einem CEO, der Moral nur als Meme kennt. Wer es immer noch tut – und das sind nicht wenige – scheint entweder bewusstloser Konsument oder elitärer Zyniker, der jedes ethische Warnsignal überfährt. Saubere Autos, dreckige Gesinnung und Käufer, die dazu applaudieren, als sei Ignoranz ein neues Feature im Konfigurator – die Ironie könnte kaum größer sein.

Martin Wittler
Top: Die deutsche Autoindustrie ist wieder vorn dabei
Tesla hier, BYD dort. In den vergangenen Jahren, so schien es, konnten diese beiden Hersteller tun, was sie wollten. An ihnen führte kein Weg vorbei: Sie setzten den Kurs bei der E-Mobilität. Und die deutsche Autoindustrie? Fuhr mit ihren Fahrzeugen nur noch hinterher.
Doch das Jahr 2025 war ein Wendepunkt für die deutschen Marken. Sichtbar wurde das auf der IAA Mobility. Denn in München waren es die Neuheiten der deutschen Hersteller, die das Publikumsinteresse auf sich zogen. Und zwar nicht mit futuristischen Studien, sondern mit fertigen Produkten, die nun auf die Straßen rollen.
Hervorzuheben ist dabei allen voran der BMW iX3, das erste Modell der Neuen Klasse der Münchener. 400 kW Schnellladeleistung, mehr als 800 Kilometer Reichweite – Werte, mit denen BMW ganz vorn dabei ist. Auch der Mercedes GLC mit EQ Technologie, der auf der IAA Mobility seine Premiere feierte, macht einen vielversprechenden Eindruck.
Hinzu kommt in Kürze der VW ID Polo: Mit dem Wagen beweist Volkswagen endlich, dass die Marke ein bezahlbares Elektroauto für rund 25.000 Euro bauen kann. Es sind Premieren, die der zuletzt kriselnden deutschen Autoindustrie Mut machen können.
Flop: Das Herumgeeier beim Verbrenner-Aus
Audi-Chef Gernot Döllner brachte die in Deutschland wieder entfachte Debatte über eine mögliche Aufweichung des EU-Verbrenner-Verbots im Jahr 2035 auf den Punkt: „Das ist kontraproduktiv und verunsichert die Kunden.“
Wenn sich sogar ein Autoboss, der Probleme mit dem Absatz der eigenen E-Autos hat, so klar äußert, muss die Frage erlaubt sein: Warum diskutieren wir überhaupt über das Verbrenner-Aus? Wer hat etwas von diesem Zick-Zack-Kurs? Die kriselnde deutsche Autoindustrie dürfte so jedenfalls nicht gerettet werden. Denn die Absatzzahlen für Verbrennerfahrzeuge gehen weltweit seit Jahren zurück, während E-Autos boomen.
BMW investierte deshalb Milliarden in die Entwicklung der Neuen Klasse. Die Fachwelt zeigt sich begeistert. Und die Bundesregierung? Nimmt der eigenen Industrie den Wind aus den Segeln. Dabei wäre Rückenwind etwas, das die Industrie gebrauchen könnte, um endlich den viel beschworenen „China-Speed“ aufzunehmen.
Und eines ist klar: Die weltweite Elektro-Transformation der Mobilität, die insbesondere aus China vorangetrieben wird, endet nicht, nur weil in Europa länger Verbrenner von Band laufen.

Walther Wuttke
Top: Nico Hülkenberg
Seit dem Jahr 2010 ist Nico Hülkenberg mit einer kurzen Unterbrechung in der Formel 1 unterwegs und feierte in der abgelaufenen Saison seinen größten Erfolg. 238 Rennen war der Emmericher alleiniger Rekordhalter in einer eher peinlichen Wertung. So lange wie der Sauber-Pilot hat noch kein Fahrer auf einen Podiumsplatz gewartet.
Hülkenberg konnte allerdings in seiner Karriere sein Talent nie in einem Team zeigen, das zu den potenziellen Siegern zählte. Beim 239. Rennen feierte er beim Grand Prix von Großbritannien im Sommer einen dritten Platz und stand zum ersten Mal nach einem Rennen auf dem Siegertreppchen.
Allerdings hat er noch eine weitere „Bestleistung“ in seiner Biografie, auf die er wahrscheinlich gerne verzichten würde. Kein anderer Pilot ist so lange wie er ohne Sieg in der Königsklasse des Motorsports unterwegs. In der kommenden Saison fährt Hülkenberg für das neue Audi-Formel-1-Team, und es ist auch da unwahrscheinlich, dass ihm dort sein erster Sieg gelingen wird.
Flop: Paris
Wer wissen will, wie es sich in einer Stadt lebt, die dem Automobil den Krieg erklärt hat, dem sei eine Reise nach Paris empfohlen. Dort setzt die Bürgermeisterin Anne Hidalgo ihren Kreuzzug gegen den Individualverkehr konsequent um. Für Radfahrer ist die französische Hauptstadt inzwischen ein Paradies, für Autofahrer die Hölle.
Eine halbe Stunde Fahrzeit für 500 Meter sind normal, und scheinbar macht sich niemand darüber Gedanken, wie sich die im Stau stehenden Autos auf die Luftqualität auswirken. Die einst großzügigen Boulevards haben sich unter der Regierung von Madame Hidalgo zu Nadelöhren entwickelt, auf denen Stillstand herrscht, und wer es wagt mit seinem SUV in die Stadt zu fahren, wird mit hohen Parkgebühren bestraft.
Doch das ständige Verkehrschaos zeigt gleichzeitig auch, dass die Franzosen noch immer auf ihre individuelle Mobilität setzen und die übergriffige Politik der Stadtverwaltung in Kauf nehmen.
(Copyright Car-Editor´s)

