China nutzt Belgien als Bühne

 

Von Walther Wuttke

Unter den europäischen Automobilmessen war die Brüssel Motor Show in den vergangenen Jahren der wahrscheinlich geheimste Geheimtipp. Die belgische Automesse war allenfalls eine lokale Veranstaltung, auf der die Importeure ihre Produkte verkauften und geschätzt bis zu einem Drittel ihres Jahresumsatzes machten. Selten verirrten sich internationale Journalisten in die Hallen, die 1935 zur ersten Brüsseler Weltausstellung errichtet wurden. Warum auch, die Neuheiten wurden schließlich in Genf gezeigt. Doch der Automobilsalon am Lac Leman ist Geschichte, und diese Lücke nutzen die Belgier.

Inzwischen überlassen die meisten Hersteller nicht mehr ihren Importeuren den Auftritt in Brüssel, sondern übernehmen selbst die Regie. Das haben natürlich auch die chinesischen Hersteller erkannt und nutzen die Bühne zu einer Art Leistungsshow von Made in China. Leapmotor, mit dem Stellantis-Konzern verbunden, zeigt in Brüssel die beiden neuen Modelle B05 und B03X, die das Angebot des jungen Herstellers um das B- und das C-Segment erweitern. Der elektrisch angetriebene B05 nutzt einen 160 kW (218 PS) starken Antrieb, der von einem 67,1 kWh großen Akku mit Energie versorgt wird. Als Reichweite verspricht Leapmotor 460 Kilometer, und die Ladezeit von 30 bis 100 Prozent liegt bei 17 Minuten.l.

Brüssel Motor Show 2026: Leapmotor B05.

Der Innenraum des 4,40 Meter langen SUV ist aufgeräumt und wird von einem großen Bildschirm dominiert. Die Materialien wirken hochwertig und sind sauber verarbeitet. Der Preis des B05 ist noch nicht bekannt, dürfte aber bei rund 26.000 Euro liegen und damit über dem ebenfalls in Brüssel erstmals gezeigten B03X, der in der Golfklasse antritt und im Sommer zu den inzwischen mehr als 120 Händlern in Deutschland rollen wird. Die genauen technischen Daten des Elektro-SUV sind noch nicht veröffentlicht. Wahrscheinlich wird der B03X einen 120 kW (160 PS) starken Antrieb und eine Reichweite von rund 400 Kilometern besitzen. Die Preisliste wird vermutlich bei deutlich unter 25.000 Euro beginnen. Mit seinem glatten Design passt sich der B03X in sein Umfeld ein, und der Innenraum des 4,20 Meter langen Kleinwagen-SUV verspricht großzügige Platzverhältnisse.

Ein paar Stände weiter demonstriert Nio, dass die Neigung, bewährte Designs zu übernehmen (um das böse Wort „kopieren“ zu vermeiden) noch immer ungebrochen ist. Der Kleinwagen Firefly könnte ebenso auf den Honda-Stand stehen. Der Stadtflitzer ähnelt auffallend dem Honda e. Der kleine Fünftürer wird von einem 105 kW (143 PS) starken Elektromotor angetrieben, der mit einem 41,2 kWh starken Akku verbunden ist und so eine Reichweite von 330 Kilometern erreichen soll. Der Stadtwagen besitzt ein 404 Liter großes Gepäckabteil im Heck und einen 92 Liter großen Kofferraum unter der Fronthaube. In Belgien kostet der Firefly 29.990 Euro.

In einer ganz anderen Preiskategorie ist Zeekr, die Premiummarke von Geely, unterwegs. Der in Brüssel gezeigte Zeekr 001 Privilege AWD steht für mindestens 71.990 Euro bei den Händlern. Wobei Zeitgenossen, die sich auf der Messe für den SUV entscheiden, mit 69.990 Euro zur Kasse gebeten werden. Als Reichweite versprechen die Zeekr-Verantwortlichen bis zu 620 Kilometer und eine Ladegeschwindigkeit von bis zu 400 kW. Mit einer Garantie von zehn Jahren (oder 200.000 Kilometern) sollen Kunden überzeugt werden.

Nebenan bei Xpeng steht der neue P7+ im Mittelpunkt, der in Brüssel seine Europapremiere feiert. In der elektrisch angetriebene Fastback-Limousine herrschen vor allem im Fond großzügige Platzverhältnisse. Den Antrieb übernimmt ein 180 kW (245 PS) starker Motor. Als Reichweite verspricht Xpeng 530 Kilometer, und der 61,7 kWh starke Akku kann innerhalb zehn Minuten von 20 bis 80 Prozent geladen werden.

Bei MG, der chinesischen Marke mit britischen Wurzeln, feiert in Brüssel der S6 EV seine Europapremiere. Das heißt nicht ganz, denn in Großbritannien ist das Modell bereits auf dem Markt. Die Version mit Heckantrieb nutzt einen 180 kW (245 PS) starken Antrieb, bei der Allradversion kommt noch ein 119 kW (162 PS) starker Motor an der Vorderachse hinzu. Die Energieversorgung übernimmt ein 77 kWh starker Akku, der, so MG, eine Reichweite von bis zu 530 Kilometern ermöglichen soll. An Express-Ladesäulen ist eine Leistung von 144 kW möglich, so dass zwischen zehn und 80 Prozent 38 Minuten vergehen.

Es gehört zu den Marketingübungen der chinesischen Hersteller, um die Kernmarke Satellitenmarken zu gründen. Bei Geely ergänzt Livan das Portfolio als dritter Ableger die Markenvielfalt. Livan, im Januar 2022 gegründet, feiert in Brüssel sein Europa-Debüt mit dem X6 Pro, einem kompakten SUV (4,53 Meter), der nach Angaben des belgischen Importeurs weniger als 25.000 Euro kosten soll. Den Antrieb übernimmt ein 1,5-Liter-Verbrenner mit 174 PS (128 kW), der in Belgien auch als LPG-Version lieferbar ist. (Copyright Car-Editor´s)

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