Auf Genf und Detroit folgt Brüssel

Während die Autowelt im Januar in Las Vegas auf neueste Technologie und virtuelle Welten schaut, entsteht in Europa eine neue klassische Automobilausstellung

Ein Messebesuch von Guido Borck

Der Autosalon-Brüssel 2026 zeigt eindrucksvoll, wie sehr sich die belgische Messe in den vergangenen Jahren gewandelt hat. Was einst als klassische Verkaufsplattform für den belgischen Markt galt, ist heute ein europäischer Branchentreff mit internationaler Strahlkraft. Immer mehr Hersteller nutzen den Jahresauftakt in Belgien, um neue Modelle, Studien und Strategien zu präsentieren – ein Rollenwechsel, der die Messe längst aus dem Schatten des legendären, aber aus dem Kalender verschwundenen Genfer Autosalons treten lässt.

Noch bis zum 18. Januar ist Brüsseler Expo-Gelände Bühne für mehr als 60 Automobilhersteller und über 20 Motorradmarken. Mehr als 300.000 Besucher im vergangenen Jahr und ein erneut ausgebuchtes Messegelände unterstreichen, wie sehr die Veranstaltung im Kalender von Branche und Publikum verankert ist. Brüssel inszeniert sich 2026 so selbstbewusst wie nie als europäische Leitmesse zum Jahresauftakt.

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Jahresauftakt mit Signalwirkung

Der Zeitpunkt spielt den Belgiern in die Karten: Früher waren es Detroit oder Genf, die das Autojahr eröffneten – heute richtet sich der Blick der Fachwelt schon im Januar nach Brüssel. Mit den Schwerpunkten Elektromobilität, vernetzte Konzepte und neue Mobilitätslösungen wird die Vielfalt der Automobilbranche im Jahr 2026 deutlich. Neben großen Premieren europäischer Marken wagen sich auch immer mehr chinesische Hersteller nach Brüssel, um dort ihre Neuheiten erstmals auf dem europäischen Markt zu präsentieren.

Zu den zahlreichen Fahrzeugpremieren zählt unter anderem der Kia EV 2, mit dem die koreanische Marke ihr Elektroportfolio nach unten abrundet. Die Konzernmutter Hyundai präsentiert dagegen die nächste Generation ihres Vans Staria, der künftig ebenfalls elektrisch angetrieben wird. Bei Mazda stehen der neue CX-5 und der elektrische CX-6 e

im Mittelpunkt. Renault zeigt mit dem Twingo E-Tech einen kleinen Stromer für die Stadt, der weniger als 20.000 Euro kostet. Und das Highlight am Toyota-Stand ist die neunte Generation des Hilux: Den japanischen Pick-up gibt es nun erstmals auch vollelektrisch.

Brüssel Motor Show 2026: Hyundai Staria Electric.  Photo: FEBIAC via Autoren-Union Mobilität
Brüssel Motor Show 2026: Opel Astra (Facelift).  Photo: FEBIAC via Autoren-Union Mobilität
Brüssel Motor Show 2026: Kia EV 2.  Photo: FEBIAC via Autoren-Union Mobilität
Brüssel Motor Show 2026: Mazda CX-6 e.  Photo: FEBIAC via Autoren-Union Mobilität
Brüssel Motor Show 2026: Peugeot 408 (Facelift).  Photo: FEBIAC via Autoren-Union Mobilität
Brüssel Motor Show 2026.  Photo: FEBIAC via Autoren-Union Mobilität

Zu den zahlreichen chinesischen Marken, die auf der Messe vertreten sind, zählt unter anderem Xpeng mit dem P7+. Ergänzt wird der Auftritt durch Facelifts etablierter Modelle wie dem Opel Astra und dem Peugeot 408. Auch visionäre Konzeptfahrzeuge wie der kompakte Van Citroën Elo feiern ihr Debüt. Ein weiteres Highlight der Brüsseler Motorshow: Der neue Mercedes CLA wurde von 60 Automobiljournalisten zum „European Car of the Year 2026“ gewählt.

Vom Verkaufsraum zur Markenbühne

Dabei setzt die Messe bewusst auf ein modernes Konzept: weniger Verkaufsstände, mehr Markeninszenierung, Designstudien und nachhaltige Technologieplattformen. Diese inhaltliche Neuausrichtung verleiht dem Autosalon ein deutlich internationaleres Profil. Für viele Branchenvertreter und Journalisten gilt Brüssel inzwischen als wichtigster Treffpunkt des automobilen Jahresbeginns – ein Status, den die Messe mit jeder Ausgabe weiter festigen dürfte.

Die vielen Hersteller nutzen Brüssel inzwischen immer stärker, um das neue Modelljahr zu eröffnen: Der Termin liegt früh im Januar, die Aufmerksamkeit der Branche ist hoch und andere klassische Frühjahrsmessen wie Genf sind vom europäischen Parkett verschwunden. Das verleiht der Messe zusätzliche Strahlkraft und macht sie zum fixen Treffpunkt für internationale Medien und Entscheider.

Gleichzeitig bleibt Brüssel seinem ursprünglichen Zweck treu: Wer ein neues Auto kaufen möchte, findet eine große Bandbreite an Serienmodellen, Probefahrtangeboten und Beratung. Für die Hersteller entsteht so die seltene Kombination aus klar messbarem Abverkauf und international wahrnehmbarer Imagebühne – eine Mischung, die den Stellenwert der Messe im Strategieplan vieler Hersteller inzwischen deutlich erhöht hat. (Copyright Car-Editor`s)

Brüssel Motor Show 2026.  Photo: FEBIAC via Autoren-Union Mobilität