Das Beste kommt zum Schluss

Unser Autor Guido Borck und die schärfste Alpine auf dem Hockenheimring

Die Ära der Alpine A110 nähert sich ihrem Finale. Spätestens im Sommer 2026 ist Schluss mit Verbrenner, Mittelmotor und Benzinduft. Bevor jedoch die elektrische Nachfolgerin ins Rampenlicht rollt, lassen die Franzosen noch einmal die fossile Muskeln spielen. Oder besser gesagt: die Muskelfasern aus Carbon. A110 R Ultime heißt das Abschiedsgeschenk – schärfer, stärker, kompromissloser als alles zuvor. 345 PS, mindestens 265.000 Euro teuer, limitiert auf 110 Exemplare. Racing liegt in der Luft. Also ab auf den Hockenheimring.

Noch extremer als extrem

Die Devise ist klar: Die Ultime soll nicht nur schneller sein als die ohnehin radikale A110 R – sie soll eine andere Liga aufschließen. Alpine hat dafür nahezu jedes Bauteil angefasst, viele ersetzt, andere konsequent weiterentwickelt. Der Fokus: Rennstrecke. Die Straßenzulassung? Fast schon ein Bonus.

Herzstück bleibt der bekannte 1,8-Liter-Vierzylinder im Heck, doch von Serie kann hier keine Rede mehr sein. Neuer Turbolader, verstärkte Pleuel und Kolben, überarbeitete Software: Ergebnis sind 345 PS bei 6000 Umdrehungen pro Minute (U/min) und 420 Newtometer (Nm) Drehmoment, die schon ab 3200 Touren anliegen. Voraussetzung für die volle Leistung ist ein Hochoktan-Sprit wie Aral Ultimate 102. Mit Super Plus sind es „nur“ 325 PS – bei rund 1100 Kilogramm Leergewicht ein akademischer Unterschied.

Neu ist auch das Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das die Kraft messerscharf sortiert. 0–100 km/h in 3,8 Sekunden, 280 km/h Spitze – Zahlen, die zur Ultime passen wie Slicks zur Boxengasse.

Aero mit Ansage

Mindestens genauso entscheidend wie die Mehrleistung ist die Aerodynamik. Das neue Aero-Kit generiert deutlich mehr Abtrieb als bei der A110 R: plus 124 Kilogramm an der Front, plus 24 Kilogramm am Heck. Überarbeitete Flaps, ein neuer Diffusor und eine markante Finne auf der Motorhaube stabilisieren die Ultime bei hohem Tempo. Alles aus Carbon, versteht sich.

 

Alpine-Testfahrer Laurent Hurgon (links) gibt letzte Instruktionen
Autor Guido Borck im Alpine A110 R Ultime

Auch die Bremsanlage wurde nachgeschärft: größer dimensioniert, besser gekühlt, kompromisslos standfest. Genau das richtige Werkzeug für lange Turns und späte Bremspunkte.

Regen, Nebel – und ein Entwicklungsfahrer

Der Testtag beginnt denkbar ungünstig. Fünf Grad, dichter Nebel, Dauerregen. Noch bevor ich den Helm aufsetze, greift Alpine ein. Laurent Hurgon, Test- und Entwicklungsfahrer der Marke, lässt das Setup vorsorglich entschärfen. Race-Modus raus, Regenabstimmung rein. Die serienmäßigen Michelin Pilot Sport Cup 2 weichen nässetauglichen Reifen, das Fahrwerk wird minimal angehoben. Mehr Sicherheit, ohne die Präzision zu opfern.

Zeit, sich hinter das Lenkrad zu klemmen – und herauszufinden, wie viel Alpine-DNA selbst unter diesen Bedingungen noch spürbar ist.

Präzision statt Drama

Schon nach den ersten Metern ist klar: Die Ultime fährt nicht nur schneller – sie fühlt sich konsequenter an. Direkter, fokussierter, entschlossener. Der Turbo hängt aggressiv am Gas, der Vortrieb wirkt noch unmittelbarer als bei der A110 R. Hinter mir faucht der Vierzylinder, verstärkt durch die Titan-Abgasanlage von Akrapovic, die dem Klang eine fast brutale Note verleiht.

Trotz nasser Ideallinie bleibt die Ultime erstaunlich ruhig. Das Chassis ist perfekt ausbalanciert, das Fahrwerk arbeitet präzise, die Lenkung spricht glasklar an. Neutral in schnellen Kurven, berechenbar am Limit – Vertrauen stellt sich schnell ein.

Das neu entwickelte Sperrdifferenzial verteilt die Kraft feinfühlig, hält die Linie sauber und verhindert hektische Lastwechsel. Selbst auf glattem Asphalt baut die Ultime beeindruckend viel Grip auf. Runde für Runde gehe ich früher ans Gas. Und staune.

Abschied mit Nachhall

Als ich aussteigen will, perlen Regentropfen vom Carbon-Dach, der Auspuff knistert leise. Puls hoch, Hände noch fest um das Lenkrad gekrallt. Die Ultime hat gezeigt, was Fahrdynamik wirklich bedeutet – unabhängig von Wetter, Temperatur oder Bedingungen.

Sie braucht keinen Sonnenschein, um zu glänzen. Nur eine freie Strecke. Und jemanden, der sie fahren lässt.

Dass sie so exklusiv und teuer ist, passt zu diesem Finale. Denn selten war ein Abschied so kompromisslos gut.

Technische Daten – Alpine A110 R Ultime

L x B x H: 4,26 × 1,98 × 1,23 m

Radstand: 2,42 m

Antrieb: R4-Benziner, 1798 ccm, RWD, 6-Gang-Doppelkupplung

Leistung: 239 kW / 325 PS (254 kW / 345 PS) bei 6000/min

Drehmoment: 420 Nm bei 3200–4200/min

0–100 km/h: 3,8 s

Höchstgeschwindigkeit: 280 km/h

Verbrauch (WLTP): 7,7 l/100 km

CO₂: 170 g/km

Leergewicht: ab 1100 kg

Bereifung: 225/40 R18 v. / 255/35 R19 h.

Preis: ab 265.500 Euro

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