„Wir werden unserer DNA treu bleiben“

Walther Wuttke sprach mit Dacia-Chef Thilo Schmidt

Dacia war auch im vergangenen Jahr erfolgreich in Deutschland unterwegs. Dabei hat vor allem der neue Bigster geholfen, der aus dem Stand bei den Privatkunden in seinem Segment eine Spitzenstellung erreicht e. Insgesamt hat die rumänische Renault-Tochter in Deutschland 73.600 Fahrzeuge abgesetzt und ihren Marktanteil weiter ausgebaut. In diesem Jahr kommt Dacia mit einer komplett erneuerten Modellpalette auf den Markt und am Jahresende rollt ein weiteres Modell im C-Segment an. Deutschlandchef Thilo Schmidt erklärt im Interview die weiteren Pläne der Marke. Mit ihm sprach Walther Wuttke von der Autoren-Union Mobilität.

Wie bewerten sie die Bilanz bei Dacia für das vergangene Jahr?

„Wir sind sehr zufrieden und haben das Jahr zum vierten Mal in Folge mit einem Marktanteilrekord beendet. In dieser Konstanz ist das auf dem deutschen Automobilmarkt einzigartig. In den vergangenen 20 Jahren hat Dacia in Deutschland eine Million Modelle abgesetzt. Mehr als jeder zehnte jemals produzierte Dacia wurde hierzulande verkauft.

Mit dem Bigster sind wir bei den Privatverkäufen aus dem Stand an der Spitze im C-SUV-Segment angekommen, und konnten in den vergangenen sechs Monaten den ersten Platz für das meistverkaufte Modell seiner Klasse erreichen. Es wurden vergangenes Jahr mehr als 73.600 Autos von Dacia zugelassen, und das entspricht einem Marktanteil von 2,6 Prozent. Das ist mehr als ein Prozentpunkt mehr als im Jahr 2021.“

Und wie sehen die Ambitionen für 2026 aus?

„Wir haben ein klares Ziel: Wir wollen das fünfte Jahr in Folge weiterwachsen. Wir sehen, dass uns der Bigster dabei stark helfen wird. Wir haben festgestellt, dass uns die anspruchsvolle Klientel in diesem Bereich ernst nimmt. Außerdem werden wir Ende nächsten Jahres ein weiteres Modell im C-Segment einführen. Dieses Fahrzeug wird vor allem Kunden ansprechen, die kein SUV erwerben wollen und dennoch einen hohen Nutzwert erwarten.“

Wo kommen die Bigster-Kunden her?

„Wir erobern beim Bigster zu 70 Prozent vom Wettbewerb – und dies auch oft von deutschen Marken und Premiumherstellern. Dazu kommen aber auch in gewissem Maß Kundinnen und Kunden vom Duster und Jogger. Die wichtige Marke von 10.000 Zulassungen hatten wir bereits innerhalb weniger Monate noch deutlich vor dem Jahresende geknackt. Uns ist es gelungen, mit dem Bigster im wichtigsten Segment aus dem Stand bei den Privatkunden auf Position Nummer eins zu springen. Der Bigster ist ein Volltreffer, und wir sind mit dem Modell am Puls der Zeit, und zudem sind mehr als 80 Prozent beim Bigster Privatkundinnen und Privatkunden.“

Sie bleiben also dem Konzept, sich auf Privatkunden zu konzentrieren, weiter treu?

„Wir haben traditionell unseren Schwerpunkt bei den privaten Kundinnen und Kunden. Aber wir werden in Zukunft durch die neuen Produkte viel stärker im Gewerbebereich agieren können und spannende Lösungen anbieten. Wir beteiligen uns – wie gehabt – nicht an Rabattschlachten und gewähren nicht die in diesem Vertriebskanal üblichen Nachlässe. Wir werden demnächst auch verstärkt an Flottenkunden herantreten und setzen dabei auf unsere einzigartige Markenwerte. Der ADAC hat den Bigster in einem Autokostenvergleich kürzlich in seiner Klasse zum Sieger gekürt. Im Vergleich zum Zweitplatzierten sparen unsere Kunden bei einer Fahrleistung von 75.000 Kilometern 13.800 Euro. Das ist aus unserer Sicht neben den attraktiven Fahrzeugeigenschaften ein überzeugendes Argument, und außerdem haben wir sichergestellt, dass wir genügend Fahrzeuge für unsere Kundschaft auf Lager haben.“

Sie halten sich auch bei den Leasingangeboten im Vergleich zum Wettbewerb deutlich zurück. Warum

„Wir sehen zum Teil Angebote mit einem Leasingfaktor von 0,5 Prozent. Ich weiß nicht, wie das nachhaltig funktionieren soll. Bei uns liegt der Faktor ohne Rabatt bei 0,9 oder einem Prozent. Und das gilt überall in Deutschland bei allen Dacia-Partnern. Damit sichern wir auch unsere hohen Restwerte.“

Dacia Deutschlandchef Thilo Schmidt präsentiert den Bigster.

Wie hat sich das Image von Dacia in den vergangenen 20 Jahren verändert?

„Der Preis spielt natürlich bei der Autokaufentscheidung stets eine wichtige Rolle, aber wir haben uns in den vergangenen Jahren den Titel des Preis-Leistungs-Champions erarbeitet, und das hat sich inzwischen in den Köpfen festgesetzt. Wir merken aber gleichzeitig, dass wir mit unserem neuen Schwerpunkt auf das Outdoor-Erlebnis die Kundschaft emotionaler ansprechen können. Das zeigen unsere Marktstudien ganz deutlich. Außerdem helfen uns dabei unsere neue Designsprache, das neue Logo und die Extreme-Ausstattung. Dacia hat sich zu einer coolen Marke entwickelt.“

Stichwort emotional. Wie profitiert Dacia vom Engagement bei der Dakar-Rallye?

„Der Einstieg in den Motorsport stärkt die Wahrnehmung von Dacia. Der Sieg bei der diesjährigen Rallye Dakar – und das direkt im zweiten Jahr, in dem wir überhaupt im Profimotorsport mitmischen – ist natürlich sensationell und zeigt, dass Dacia auf allen Spielfeldern erfolgreich ist. Das Engagement bringt Emotionen in die Marke. Außerdem ist das für uns auch ein Testlabor für alternative Antriebe. Die Fahrzeuge fahren mit umweltfreundlichen Kraftstoffen. Das auf mehrere Jahre angelegte Motorsportprojekt passt sehr gut in die emotionale Markengeschichte, die wir über Jahre aufgebaut haben.“

Bei der Hauptuntersuchung vergibt der TÜV den Dacia Modellen nicht die besten Noten. Sie haben deshalb Maßnahmen eingeführt, um dies zu ändern. Sehen Sie bereits Erfolge?

„Der Grund für diese Ergebnisse ist die fehlende Werkstatttreue, die im Gegensatz zur Markenloyalität im Neuwagenbereich steht. Da haben wir die besten Ergebnisse aller Marken. Der größte Mangel bei den Untersuchungen sind bei unseren Fahrzeugen übrigens die Lichteinstellungen, die zur Abwertung führen. Deshalb haben wir die außergewöhnliche Sieben-Jahre-Treuegarantie eingeführt, die eine deutliche Verbesserung auf diesem Gebiet nach sich ziehen wird. Die dreijährige Herstellergarantie verlängert sich nach jeder Wartung um ein weiteres Jahr auf bis zu sieben Jahre. Die gilt auch für Bestandfahrzeuge. In diesem Jahr werden wir 60.000 Treuegarantien vergeben. Unser kurzfristiges Ziel war es, aus den roten TÜV-Zonen zu kommen, und bei Sandero und Duster ist uns das auch bereits gelungen.“

Mit welchen neuen Modellen kommt Dacia dieses Jahr auf den Markt?

„Bei Dacia wird mit dem Modelljahr 2026 die gesamte Modellpalette neu aufgelegt und mit neuen, elektrifizierten, noch umweltfreundlicheren Antrieben ausgestattet. Der Sandero und Jogger erhalten dabei die umfangreichste Modellüberarbeitung. Wir werden zudem mehr Ausstattung, Leistung und größere Displays bringen, ohne die Preise zu erhöhen. Der Duster bekommt durch die Bank weg neue Motoren, der Spring die neuartige, langlebige LFP-Batterietechnologie mit verkürzten Ladezeiten und Elektroantriebe bis 100 PS – teilweise zu unveränderten Preisen. Und auch der Bigster erhält die neuartige Allradvariante, die im Duster zum Einsatz kommen wird.

Zum Jahresende werden wir das neue Modell im C-Segment in den Handel bringen, das für Deutschland wegen seines Konzeptes besonders interessant werden wird. Und zudem kommt im A-Segment die neue Generation eines vollelektrischen Modells auf den Markt. Das wird ein sehr spannendes Jahr 2026 mit einer wahren Produktoffensive.“

Wie sieht die elektrische Zukunft von Dacia aus?

„Wir sind schon heute mit unseren Mildhybrid- und Vollhybridmodellen sichtbar elektrifiziert. Wir werden die nächste Generation des neuen Sandero, der in der Ferne am Horizont wartet, auch vollelektrisch anbieten. Bei den batterieelektrischen Modellen bleiben wir unserer Preis-LeistungsPositionierung treu. Der Dacia Spring ist eine feste Größe am Markt und hat in Deutschland bisher rund 40.000 Kundinnen und Kunden für sich gewonnen. Dacia wird sich Schritt für Schritt dem Elektromarkt nähern, und gleichzeitig bleiben wir breit und kundennah aufgestellt. Wir haben den Vorteil, dass wir die Flexibilität der Renault-Group nutzen können.“

Vor einiger Zeit haben Sie das Konzeptmodell Hipster vorgestellt. Hat der Viersitzer eine Chance, auf den Markt zu kommen?

„Der Hipster ist ein Konzept. Wir haben uns bei der Entwicklung der Studie viele Gedanken gemacht, was aus unserer Sicht in der automobilen Landschaft der Zukunft fehlt. Aber wann und ob daraus ein Produktionsmodell wird, ist noch nicht entschieden.“

Wo sehen Sie Dacia in fünf Jahren?

„Wir werden unserer DNA treu bleiben, und Dacia wird auch in fünf Jahren Mobilität für alle anbieten. Erschwinglich, aber mit einem immer stärkeren Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir werden die Dacia-Modellpalette erweitern und in unserem Tempo weiter elektrifizieren. Unser Ziel ist es, weiterhin eine der wichtigsten Marken im Privatmarkt zu bleiben und in Deutschland unsere Top-5-Stellung bei den privaten Kundinnen und Kunden weiter auszubauen. Mit unseren neuen Modellen im C-Segment werden wir zukünftig aber auch im gewerblichen Markt eine wichtige Rolle spielen.“ (Copyright Car-Editor´s)