Aznom L'Epoque: ... mein anderes Auto ist ein Rolls-Royce

Von Jürgen Pander

Die italienische Firma Aznom Automotive hält sich nicht mit Kleinigkeiten auf: Mit dem Modell L'Epoque wurde jetzt ein Auto enthüllt, das alle gängigen Maßstäbe sprengt. Die „Land-Yacht“ ist knapp acht Meter lang, rollt auf kolossalen 30-Zoll-Rädern und ist im Innern gestaltet wie der Salon eines Art-Déco-Boutique-Hotels. Ist das der Endpunkt des Autobaus?

Aznom? Nie gehört? Der seltsame Name ist ein Ananym, denn wenn man die Buchstaben von hinten nach vorne liest, ergibt sich Monza. Die berühmte Rennstrecke im Norden von Mailand ist also gemeint, und gleich in der Nachbarschaft des Autodromo Nazionale di Monza liegt das Örtchen Biassono, in dem das Unternehmen Aznom Automotive seinen Sitz hat.

In der exklusiven Nische zuhause

Das Unternehmen wurde vor 20 Jahren vom Designer Marcello Meregalli gegründet, konzentrierte sich zunächst auf das Individualisieren von Fahrzeuginterieurs. Später kamen Komplettumbauten hinzu, es entstanden Unikate wie ein von Aznom umgebauter Rolls-Royce Phantom oder Land Rover Defender oder die bizarre Luxuslimousine Aznom Palladium auf Basis des Pick-up-Modells Dodge Ram 1500.

Mit der soeben vorgestellten Kolossal-Karosse L'Epoque zielt Aznom in eine nochmals exklusivere Nische. Die riesige Limousine orientiert sich in ihrer Konzeption an den Paradefahrzeugen der späten 20er- und frühen 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, an Modellen wie dem Horch V8 oder dem Maybach SW 38. Und so wie diese Automobile damals einer dünnen Oberschicht vorbehalten waren, so grenzt sich auch der Aznom L'Epoque ab von allem, was derzeit in der Highendklasse angeboten wird. Selbst ein Rolls-Royce, Bentley oder der 5,13 Meter lange chinesische Luxusschlitten Voyah Chasing Light L wirken neben dem monumentalen Fahrzeug aus Oberitalien wie konventionelle Zweitwagen.

Aznom L'Epoque
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Rollende Eignersuite einer Luxusyacht

Aznom Automotive teilt mit, dass der L'Epoque zwar den Stil der Chauffeurs-Fahrzeuge nachahme, dies allerdings kombiniert mit modernster Technologie. Das Auto, so heißt es, solle die gleiche Ruhe, Diskretion und Annehmlichkeit bieten wie die Eignersuite einer Luxusyacht oder die Wohnkabine eines Privatjets – nur eben während der Fahrt über Land. „Dieses Fahrzeug“, sagt Marcello Meregalli, der Chef von Aznom Automobile, „soll eine Inspirationsquelle sein und ein Objekt, das man liebt – und nicht einfach ein Werkzeug, um von A nach B zu kommen.“

Im Innenraum gibt es zwei klassisch angeordnete Sitze in der ersten Reihe, dahinter in einer Art Lounge vier weitere Plätze: Zwei, die sich einklappen lassen und zwei weitere auf einem plüschigen Sofa im Fond. Dieser luxuriös möblierte Bereich lässt sich ganz nach Belieben temperieren, beleuchten und beduften.

Humidor und Bar

Logisch, dass es eine Minibar gibt, ein Fach für Kristallgläser, ein klimatisiertes Zigarrenfach sowie ein Aufbewahrungsfach, in dem die Reisenden zum Beispiel ihre Uhren oder ihren Schmuck ablegen können, um es sich so richtig bequem zu machen. Was es so gut wie gar nicht mehr gibt – zumindest nicht für die Passagiere – sind Bedienelemente, denn die allermeisten Funktionen werden per Sprachansage mittels einer KI-basierten Software gesteuert und reguliert.

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Range-Exiender mit sechs Zylindern

Den Antrieb des L'Epoque übernehmen vier Elektromaschinen, die jeweils nahe der Räder positioniert sind und deren Gesamtleistung bei mehr als 740 kW (1000 PS) liegen soll. Die Energie für den Antrieb liefert einerseits ein Akku mit einer Speicherkapazität von 100 kWh, andererseits ein V6-Benziner, der als Range Extender fungiert, also als Generator, um während der Fahrt elektrische Energie für die E-Maschinen zu produzieren. Das Fahrzeug ist auf einem Leiterrahmen aufgebaut, verfügt über Allradantrieb sowie ein Fahrwerk, das den Innenraum automatisch in einer waagerechten Position hält, unabhängig davon, wie ruppig der Untergrund ist.

Wer wohl den ersten bestellt?

Noch ist der Aznom L'Epoque eine Studie. Doch die Macher betonen, dass der Wagen genau so umgesetzt werden könnte. Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich unter den Millionären oder Milliardären dieser Welt ein Auftraggeber findet, dem genau so ein Acht-Meter-Straßenkreuzer noch gefehlt hat. Für den normalen Autofahrer allerdings haben Projekte wie dieses keinerlei Bedeutung. Staunen? Kopfschütteln? Wundern? Das muss jede und jeder selbst entscheiden. (Copyright Car-Editor´s)

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