Neue Wege für die Luft

Von Michael Kirchberger

Dass ein Wohnwagen im Schlepp eines Personenwagens dessen Treibstoffverbrauch drastisch nach oben treibt, ist eine Binsenweisheit. Versuche in der Vergangenheit, den Caravan windschlüpfiger zu gestalten, haben zu keinen befriedigenden Ergebnissen geführt. In den 1980er Jahren erfuhren Versuche wie der des Herstellers Tabbert mit dem abgeschrägten Bug des Modells Wind eher Spott als Benzineinsparung. Beim Trailerhersteller Knott geht die Entwicklung nun neue Wege.

Statt der Formgebung des Wohnaufbaus widmen sich die Forscher eher den Bauteilen darunter. Während bei Autos der Unterboden bereits seit geraumer Zeit mit spürbaren Erfolgen beim Treibstoffsparen glatt verkleidet wird, herrscht beim Caravan ein von Achsen, Deichsel und Kurbelstützen zerklüftetes Chaos. Das soll geglättet werden.

Das Chaos glätten

Josef Strasser, Entwicklungsleiter bei Knott, verspricht sich deutliche Verbesserungen durch eine Unterbodenverkleidung. Schon die Computersimulation hatte ein Sparpotenzial von rund 14 Prozent ergeben. „Das war ein ermutigender Ansatz und hat den praktischen Test unter realen Bedingungen zwingend erforderlich gemacht“, sagt der Entwicklungschef im oberbayrischen Eggstedt. Gemeinsam mit dem TÜV Süd wurden die Versuche gefahren, Ort der Erprobung war das Testzentrum Landsberg. Gemessen wurde die Wirksamkeit der Verkleidung mit einem Gespann, bestehend aus einem Skoda Superb Combi und einem einachsigen Caravan von Hobby.

Ohne die Unterbodenverkleidung beim Caravan musste der Zugwagen eine Zugkraft von 1750 Newton bei 100 km/h aufbringen, nach dem Anbringen der Verkleidung, die für den Test noch aus relativ schweren und kompliziert einzubauenden Holzplatten bestand, sank die notwendige Zugkraft um 250 N auf 1500 N. „In Folge haben wir die Unterbodenverkleidung konstruktiv überarbeitet und diese nun aus handlichen und modularen Segmenten realisiert, mit denen wir auch die besonderen Bedürfnisse an der Achse oder am Reserveradhalter berücksichtigen können.

Handliche Segmente

Die Chassisteile sind für die Fahrstabilität des Caravans essentiell, so dass hier jegliches Einbringen von Bohrungen ausscheidet. Daher haben wir eine Universalklemme entwickelt, welche an allen in Frage kommenden Stellen des Chassis angesetzt werden kann“, erläutert Josef Strasser das Befestigungsverfahren.

Mittlerweile hat Knott einen Prototyp aus Kunststoff entwickeln lassen, der leicht und einfach von einem Mitarbeiter allein am Unterboden eines Wohnwagens befestigt werden kann. Das Gewicht ist gering, zusammen bringen die Bauteile kaum 25 Kilogramm auf die Waage. Bei den Kosten gibt es noch keine finale Entscheidung, „gerade noch dreistellig könnte der Preis werden“, meint der Entwicklungsingenieur.

Dabei ist es nicht der niedrigere Treibstoffverbrauch allein, der die Unterbodenverkleidung des Wohnwagens empfehlenswert macht, besonders für Elektroauto spielen die niedrigeren Zugkraftanforderungen eine entscheidende Rolle, denn die schlagen sich direkt in einer größere Reichweite im Gespannbetrieb nieder.

„Mit unserem glatten Unterboden wollen wir gegenüber unseren Kunden, also den Caravanherstellern, in Vorleistung gehen und sie ermuntern, ebenfalls auf die aerodynamische Verbesserungen beim Aufbau zu achten“, so Josef Strasser. Drei Patente hat das Unternehmen, das in Deutschland 420 und weltweit 2500 Mitarbeiter beschäftigt, bereits angemeldet. Zu seinen Kunden zählen unter anderem die Hymer-Gruppe und Hobby. (Copyright Car-Editor`s)

„Deutliche Verbesserungen durch eine Unterbodenverkleidung“