Fahrbericht Fiat 500 Hybrid – Heimkehr nach Turin

Von Walther Wuttke

Der Fiat 500 kehrt heim. Nach fast zwei Jahrzehnten im polnischen Tychy läuft der Cinquecento wieder dort vom Band, wo er einst zur Ikone wurde: im traditionsreichen Werk Mirafiori in Turin. Rund 100.000 Fahrzeuge pro Jahr sollen hier entstehen. Der teil-elektrifizierte 500 Hybrid ergänzt das elektrische Schwestermodell – ein Antrieb, der ursprünglich gar nicht vorgesehen war. Doch wie so viele Hersteller reagiert auch Fiat auf die Marktdynamik. Der Einstiegspreis: 19.990 Euro für den 500 Pop.

Seltener Überlebender seiner Klasse

Das A-Segment schrumpft drastisch. Steigende Produktionskosten und strengere Anforderungen dünnen das Angebot aus. Gaetano Thorel, Europa-Chef von Fiat und Abarth, fasst die Situation nüchtern zusammen: „Die Preise für Kleinwagen sind in den vergangenen Jahren um 60 Prozent gestiegen, und gleichzeitig ging das Produktionsvolumen um 90 Prozent zurück. Von einst 70 Modellen haben in Europa gerade sechs überlebt.“

Dass der 500 weiterbesteht, hat auch mit seiner besonderen Position zu tun: ikonisch, urban, leicht, emotional aufgeladen – und nun auch politisch gewollt. Der Ein-Liter-Dreizylinder entsteht in Süditalien, das Getriebe und die Fahrzeugmontage in Turin. Der neue 500 erfüllt damit die italienische Vorstellung von authentischer „Italianità“.

Hybrid mit Turiner Charakter

Die Technik setzt auf Pragmatismus statt Effekthascherei: 65 PS aus einem kleinen Dreizylinder, unterstützt von einem Elektromotor, der nicht für lange E-Fahrten, sondern für effizientere Stadtbewegung ausgelegt ist. Das manuelle Sechs-Gang-Getriebe lässt sich überraschend flüssig schalten – ein Fortschritt gegenüber früheren Generationen.

Der Plattformwechsel brachte Herausforderungen. „Wir mussten die Bodengruppe anpassen, um Platz für das Sechs-Gang-Getriebe und die Abgasanlage zu finden“, erklärt Entwicklungsmanager Francesco Morosino. Optisch bleibt dagegen alles beim Alten. Bewusst verzichtete Fiat darauf, die bekannte Formensprache des kleinen Kultmobils anzutasten.

 

Sein Lebensraum ist die Stadt

In der Stadt zeigt der 500 Hybrid seine Bestimmung. Die Fahrleistungen – 0–100 km/h in 16,2 Sekunden, 155 km/h Spitze – wirken auf dem Papier mäßig, in Turin jedoch erstaunlich passend. Mit 3,60 Metern Länge, engem Wendekreis und präziser Lenkung wuselt der Kleine durch enge Gassen und über löchrige Pflaster. Das Fahrwerk filtert Schlaglöcher gelassen, der Dreizylinder hält sich akustisch angenehm zurück. Der 500 bleibt, was er immer war: charmant, flink, beinahe städtisch frech.

Einfach, aber mit Stil

Die Materialien sind schlicht, aber sauber verarbeitet. Hinter dem Lenkrad sitzt eine gut ablesbare Instrumenteneinheit, dazu ein 10,25-Zoll-Mittelbildschirm mit klarer Bedienstruktur. Darunter praktische Analogtasten – eine wohltuende Ausnahme im Digitalzeitalter. Problematisch ist nur die Lesbarkeit bei starker Sonneneinstrahlung.

Charmantes Detail: Die Qi-Ladefläche trägt die Silhouette Turins. Navigation läuft über das Smartphone – „smartphone-freundlich“, wie Morosino lächelnd sagt. (aum)

Ausstattungen, Varianten, Peise:

Pop: 19.990 Euro, Stahlräder, Stoff, manuelle Klimaanlage

Icon: 21.990 Euro, Leichtmetallräder, 10,25-Zoll-Display, Tempomat

La Prima: 24.990 Euro, Kunstleder, Sitzheizung, Assistenzpaket

Torino (Sondermodell): 21.990 Euro als Marktstart-Edition mit optischen Akzenten.

Wie bisher gibt es den 500 als Limousine, als Cabrio (plus 3000 Euro) und als 3+1-Variante mit kleiner Zusatztür auf der Beifahrerseite.

Der ordentliche Schuss an Nostalgie beim Design passt zur fehlenden Reichweite, könnte dennoch Fans des Ur-Panda überzeugen. Lesen Sie hier den Praxistest Fiat Grande Panda

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