Reifenspuren für die Ewigkeit

Keine Weihnachtsgeschichte – aber Lesestoff für ruhige Zeiten

Von Harald Kaiser

Es soll wieder ein Cabrio werden. Eines, in dem zwei Astronauten sitzen können. Wie 1971, als die Amerikaner ihren ersten von drei Mond-Rovern an Bord von Apollo 15 in Richtung Erdtrabanten auf die Reise geschickt haben. Nach derzeitiger Planung will die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA 2030 den Wettlauf um die Vorherrschaft auf dem Mond wieder aufnehmen, mit dem Lunar Terrain Vehicle.

Der neue Amischlitten soll mit der Artemis V-Mission auf unseren All-Nachbarn geschossen, dort abgesetzt und wie damals von Menschenhand gelenkt werden. Geplant ist auch, dass der Wagen dann autonom unterwegs ist, wenn kein US-Astronaut dort Forschungsarbeiten erledigt.

Derzeit erarbeiten drei US-Firmen ein Fahrzeugkonzept mit modernsten Kommunikations-, Navigations- und vor allem einem fortschrittlichen Energiesystem, das den kolossalen Temperatur-Bedingungen standhalten muss.

40 Jahre Ruhe nach dem Sturm

Bevor die chinesischen Jadehasen und auch die indischen und japanischen Vehikel den Mond befuhren, hatte dort 40 Jahre Ruhe geherrscht – Ruhe nach einem irrwitzigen Wettlauf der Großmächte um die Mobilmachung hoch über unseren Köpfen. Das auslösende Ereignis für die Muskelspiele war ein schmerzhafter Tiefschlag ins Selbstverständnis der Vereinigten Staaten, der die Amerikaner zu neuen Großtaten anstachelte.

Lunochod 1 raubt NASA den Schlaf

In der Nacht vom 16. auf den 17. November 1970 dürfte die Führungsmannschaft der US-Raumfahrtbehörde NASA kaum Schlaf gefunden haben, als die Nachricht von einer spektakulären Weltraum-Mission der Sowjets eintraf: Sie hatten das erste Automobil auf den staubigen Erdtrabanten geschossen – Lunochod 1. Es war der erwartet spektakuläre Gegenschlag zum Triumph der Amerikaner etwa sieben Monate zuvor, als deren Astronaut Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch den Mond betreten hat.

Grund genug eigentlich für die USA, sich angesichts dieser epochalen Leistung nicht eingeholt fühlen zu müssen. Doch längst ging es bei dem überirdischen Schlagabtausch nicht mehr allein um die bloße technisch-wissenschaftliche Führerschaft oder um die Befriedigung der Eitelkeit des politischen Spitzenpersonals. Diese Milliardenprojekte dienten zuvorderst dem Weltmachtanspruch und der Demonstration der Überlegenheit des jeweils anderen politischen Systems.

Am frühen Morgen jenes 17. November um 6:47 Uhr Moskauer Zeit meldete das russische Raumfahrtkommando: Die Raumkapsel Luna 17 hat mit einer Sinkgeschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde relativ sanft im Staub der Region „Mare Imbrium“ auf der erdzugewandten Seite des Mondes aufgesetzt. Eine Bilderbuchlandung.

Als diese Erfolgsmeldung kam, war im Marshall Space Flight Center in Huntsville/Alabama wegen der Zeitverschiebung gerade Mitternacht vorbei. Genau 0:47 Uhr. Gegen 2:02 Uhr früh in Huntsville meldete sich nämlich der Fahrer von Lunochod 1 im mitgehörten Funkverkehr mit den Worten: „Ich sehe die Mondoberfläche. Sie ist flach und wunderschön.“

Der Fahrer saß auf der Krim

Laien hätten bei diesem Satz sicher gestutzt, schließlich sieht ein Autofahrer immer, was vor ihm passiert. Nicht so die NASA-Experten, die wussten, was gemeint war: Der Fahrer des Mondmobils saß nicht am Lenker des Autos, sondern gut 385.000 Kilometer entfernt in der Leitzentrale in Jewpatorija auf der Halbinsel Krim und steuerte Lunochod 1 von dort. Eine Meisterleistung der Ingenieure und Techniker.

Neben dem Fahrer auf der Krim bestand die Crew auf dem Mond aus weiteren vier Männern, dem Kommandanten, dem Ingenieur, dem Navigator und dem Funker. Sie sorgten zusammen dafür, dass Lunochod sicher von der runtergeklappten Rampe auf die Mondoberfläche rollen konnte.

Die Bilder dazu lieferten zwei Schwarzweiß-Fernsehkameras vorn am Auto, die in der Zentrale über einen Monitor flimmerten. Lunochod reagierte wie geplant auf die Lenkbefehle, die der Fahrer auf der Erde mit einem Steuerhebel erteilte.

Was einfach klingt, war alles anderes als das. Denn Bild- wie Funksignale trafen trotz Lichtgeschwindigkeit (ca. 300.000 Kilometer pro Sekunde) wegen der notwendigen Rückbestätigung immer mit etwa drei Sekunden Verzögerung für die mit etwa 770.000 Kilometer doppelt so lange Strecke Erde-Mond-Erde ein. Hinzu kam noch etwa eine Sekunde Reaktionszeit des Fahrers. Das bedeutete, dass das einer Badewanne ähnliche Gefährt auf dem Erdtrabanten immer schon etwas weiter war als es die gerade auf der Erde ankommenden Bilder auf den Monitoren zeigten.

Apollo 16 mit Parkplatz vor der Tür

Lunochod war kurzsichtig

Überdies erkannte man bald nach der Landung einen kleinen Konstruktionsfehler: Zu niedrig montierte Kameras machten Lunochod gewissermaßen kurzsichtig, weil ihr Blickwinkel zu stark auf den Boden gerichtet war. Kam etwa ein größerer Stein in Sicht, dem es rasch auszuweichen galt, war angesichts der Zeitverzögerung und der Blickfeldbeschränkung rasches Lenken notwendig.

Ähnlich verhielt es sich beim Beschleunigen oder Bremsen, was beides über simples Gasgeben oder Gaswegnehmen mit Hilfe der Elektromotoren an jedem der acht Räder geregelt werden konnte. Schnell war das Roboter-Fahrzeug Gottseidank nicht. Das Spitzentempo lag bei nur 2 bis 3 km/h.

Lunochods Lebenszeit war auf ein Vierteljahr berechnet. Doch die Konstruktion erwies sich als solider und funktionierte wesentlich länger, fast elf Monate. Den Strom für all diese Arbeiten lieferten Solarzellen im beweglichen Deckel. Der klappte bei Tageslicht automatisch auf und schloss sich bei Dunkelheit. Dies nicht nur, weil ohne Sonnenlicht kein Strom erzeugt werden konnte. Sondern auch, weil die empfindlichen Messgeräte in der Wanne nur bei geschlossenem Deckel vor der brutalen Kälte geschützt werden mussten. Gegen die Tieftemperaturen konnte selbst die spezielle Heizung nichts ausrichten. Sie wurde mit einer kleinen Menge von radioaktivem Polonium betrieben, das während seines Zerfallsprozesses Wärme erzeugte.

Die hat nicht mehr ausgereicht. Anfang Oktober 1971 schließlich gab Lunochod 1 keinen Mucks mehr von sich – er war, wie später auch das Brudermodell, eingefroren.

So hinterließ das erste Mondfahrzeug von Menschenhand eine auf ewig erkennbare Reifenspur von 10,5 Kilometern im Staub der Oberfläche. Sie endet in der Hügellandschaft der Mondregion „Cap Heraclides“.

Das Rennen ums Weltall

Jenseits der irdischen Autoverschickung ins All lief das eigentliche Rennen um die Vorherrschaft im Weltraum zu dem Zeitpunkt schon länger als ein Vierteljahrhundert. Mit ständigen Führungswechseln und verschiedenen Gerätschaften. Gestartet wurde der Nationenwettkampf von den Sowjets am 4. Oktober 1957. Damals schossen sie Sputnik 1 vom Kosmodrom in Baikonur in eine Erdumlaufbahn.

Der Sputnikschock führte als Folge im Juli 1958 zur Gründung der Weltraumbehörde NASA und damit über Jahrzehnte zu einer Vielzahl von Missionen auf beiden Seiten. Es ging Schlag auf Schlag. Mal hatten die Amis die Nase vorne, dann wieder die Russen. Wie am 12. April 1961, als Oberleutnant Juri Gagarin als erster Mensch an der Spitze einer mächtigen Wostok-Trägerrakete in den Orbit gejagt wurde und die Erde in seiner Kapsel einmal umrundete.

Der im Januar des selben Jahres angetretene US-Präsident John F. Kennedy wertete die Gagarin-Aktion als nationale Schmach. Er formulierte den Weltmachtanspruch der Nation am 25. Mai 1961 vor dem US-Kongress so: „Ich glaube, dass diese Nation sich dazu verpflichten sollte, noch vor dem Ende dieses Jahrzehnts das Ziel zu erreichen, einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn dann sicher wieder zur Erde zurückzubringen.“

Ein großer Schritt für die Menschheit. 1969, acht Jahre nach Ausgabe der präsidialen Marschrichtung, setzte US-Astronaut Neil Armstrong seinen Fuß auf den Mond. Diese Demonstration der Stärke kam gerade recht, denn beide Länder befanden sich mitten im kalten Krieg und suchten andauernd nach Profilierungs-Möglichkeiten und Drohpotential gegen die jeweils andere Großmacht.

Zwei Jahre später, am 26. Juli 1971, stand schließlich Apollo 15 fertig zum Abschuss auf der Startrampe des Kennedy Space Center in Florida. An Bord der gigantischen Saturn V-Rakete waren neben den drei Astronauten David Scott, James Irwin und Alfred Worden (als Kommandant der Raumkapsel „Endeavour“) auch das zusammengeklappte erste Weltraumauto der USA.

Teures Wüstenbuggy: Lunar Roving Vehicle

Auf den ersten Blick hätte man meinen können, dass es einem preisgünstigem Wüsten-Buggy ähnlich sah, es hat aber mit mehr als 40 Millionen Dollar Entwicklungskosten unendlich viel mehr Geld verschlungen.

Mit dem „Lunar Roving Vehicle“ (LRV) ließ sich nicht nur der Aktionsradius der Astronauten von einst wenigen hundert Metern zu Fuß auf mehrere Kilometer erweitern. Viel entscheidender war, dass der Wagen nicht wie bei den Sowjets aufwändig ferngesteuert werden musste, sondern dass zwei Astronauten darin Platz nehmen und selbst fahren konnten.

Zudem hatte der offene Wagen sicherheitshalber Allradantrieb, der ein Steckenbleiben im Mondstaub verhindern sollte. Die NASA hatte zwar bereits ein wenig Erfahrung mit Neil Armstrongs legendärem ersten Schritt eines Menschen und dem Abdruck seiner Stiefelsohle im Staub, was damals live im TV zu sehen war. Mit dem Allradantrieb wollte man jedoch auf Nummer sicher gehen. Co-Raumflieger David Scott meldete später, dass die Oberfläche aus einer etwa 15 Zentimeter dicken Staubschicht bestehe, die sich wie Pulverschnee anfühle.

Höchstgeschwindigkeit 14 km/h

Es lief fast alles wie am Schnürchen, der Start, die Landung in der Nähe des Hadley-Gebirgszuges am 30. Juli, das Herausholen und das Aufklappen der Räder am Geländeauto wie auch der Rückstart zur Erde am 2. August 1971. Scott und Irwin legten während ihres gut zweitägigen Aufenthalts mit dem Space-Buggy 27,9 Kilometer bei einer Gesamtfahrzeit von drei Stunden und zwei Minuten zurück. Maximales Tempo: 14 km/h.

Im Gegensatz zum schwergewichtigen russischen Pendant (756 Kilo) war am NASA-Auto alles auf Gewichtsreduzierung getrimmt. Vom Alurahmen über die zwei Alusitze bis hin zu den Leichtbaurädern aus flexiblem Drahtgeflecht mit Titaneinsätzen in der Lauffläche. Das Lunar Roving Vehicle wog lediglich 210 Kilo und wurde von je einem Elektromotor pro Rad angetrieben. Leistung zusammen: ein PS.

Dass dem Wagen auch eine Allradlenkung mitgegeben wurde, zahlte sich gleich zu Anfang der Mission aus. Scott funkte kurz nach dem Aufklappen zur Erde, dass die vordere Lenkung nicht funktioniere, was aber nicht weiter schlimm sei, denn er könne ja mit den Hinterräder lenken.

Rock-’n’-Roll mit Joystick

Die beiden Astronauten erforschten auf ihren drei Touren Krater, Gebirge und Täler. Dabei steuerten sie den Wagen über einen in der Mitte des Cockpits angebrachten Hebel, der bereits so funktionierte wie Jahrzehnte später ein Joystick für Computerspiele. David Scott beschrieb die Fahreigenschaften am Funk so: „Das ist eine Rock-’n’-Roll-Fahrt. Ich werde seekrank.“ Und Kollege James Irwin meinte: „Das Auto fährt sich wie eine Mischung aus einem bockigen Pferd und einem Ruderboot auf rauer See.“

Tatsächlich war das, was im US-Fernsehen am 30. Juli 1971 gezeigt wurde, ein wilder Ritt. Untermalt von Countrymusic zeigt das US-Fernsehen wie der Lunar Rover manchmal mit allen vier Rädern abgehoben hatte. Glücklicherweise waren die beiden darin sitzenden Astronauten angeschnallt.

Die Gurte waren zu eng

Doch die Gurte bereiteten vor Antritt der ersten Fahrt merkwürdigerweise Probleme. Sie waren gegen das Risiko montiert worden, dass die Astronauten durch die Schwerelosigkeit und eine unebene Piste aus dem Auto gelupft werden konnten. Die mittig über die Oberschenkel verlaufenden Gurte schienen im Gegensatz zum Training auf der Erde im All plötzlich nicht mehr lang genug zu sein.

Der Grund wurde später im Missionsabschlussbericht der NASA vom Dezember 1971 bekannt: Wegen der geringeren Schwerkraft wurden die Druckanzüge im Sitzen viel weniger zusammengedrückt als auf der Erde. Die Anzüge von Scott und Irwin bliesen sich also etwas auf, weswegen sich die Gurte schwerer schließen ließen und auch strammer anlagen.

Drei Rover blieben oben

Dem ersten Ami-Schlitten für den Einsatz im luftleeren Raum, maßgeblich mitentwickelt von dem deutsch-amerikanischen Raketen-Ingenieur Georg von Tiesenhausen und gebaut von Boeing und General Motors, folgten zwei weitere Space Buggys im April und Dezember 1972 mit den Missionen Apollo 16 und 17.

Alle ausgestattet mit Fernseh-Kameras, Sende- und Empfangseinheit, verschiedenen wissenschaftlichen Messgeräten und jeweils einem Navigationsrechner, damit die Crews im grau-en Einerlei der Mondpisten sicher zu ihren kombinierten Lande- und Startmodulen zurückfinden konnten. Schließlich sollten die Astronauten nach Beendigung ihrer Mondausflüge mit diesen Modulen wieder in Richtung Heimat starten.

Zu den nun drei US-Geländewagen gesellte sich im Januar 1973 mit Lunochod 2 schließlich das auf Jahrzehnte hinaus vorerst letzte Mondauto. Es war mit 840 Kilo das Schwergewicht unter allen damaligen Mondfahrzeugen. Es schaffte die Rekordstrecke von 39 Kilometern bevor er nach einem Hitzekollaps erstarrte.

Nach 40 Jahren kamen die Chinesen

Am 14. Dezember 2013 landete nach 40 Jahren wieder mal ein Auto auf em Mond. „Jadehase“ erfüllte die in ihn gesetzten Hoffnungen im Gegensatz zu seinem Bruder Jadehase 2 nur zum Teil. Denn der nahezu baugleiche und ebenfalls mit Solarzellen und Elektroantrieb ausgestattete chinesische Roboter — 140 Kilo leicht und 1,5 Meter kurz — blieb bereits nach 114 Metern im teils knöcheltiefem Mondstaub für immer stecken.

Dafür arbeiteten seine wissenschaftlichen Geräte weit länger als die geplanten drei Monate, immerhin mehr als zweieinhalb Jahre. Am 31. Juli 2016 verstummte er schließlich, weil ihm die mehr als arktischen Nachttemperaturen den Garaus gemacht hatten.

Der zweite motorisierte Kundschafter hat mehr Glück

Im Dezember 2018 landen die Chinesen ihren zweiten motorisierten Kundschafter am Von-Kármán-Krater des Aitken-Beckens am Mond-Südpol. Auch er musste mit den brutalen Temperatur-Unterschiede von nachts bis zu 180 Grad minus und tagsüber bis zu 130 Grad Hitze klarkommen. Es gab auch Streckenprobleme.

So erfasste Jadehase 2 im Dezember 2021 nach zwei Jahren Monddienst eine Unklarheit über die Befahrbarkeit eines Geländes in 80 Metern Entfernung. Auf den Bildschirmen der Missionszentrale in Peking tauchte ein merkwürdiges Gebilde auf. Die Piloten erkannten nicht, ob es sich in der tristen grauen Einöde lediglich um einen Gesteinsbrocken, einen seltsam geformten Haufen Mondstaub oder womöglich um ein Trugbild handelte.

Der vermeintliche Katzensprung, da waren die Experten sicher, wird keinesfalls in wenigen Minuten zu bewältigen sein. Mit Glück vielleicht in zwei oder drei Tagen. Wegen der unklaren Geländelage ging man jedoch eher von Wochen aus. Außerdem war Jadehase 2 mit 0,8 PS nicht nur schwachbrüstig, sondern mit 0,2 km/h Spitze auch eine lahme Ente. Zudem war der Fahrtweg übersät mit kleinen Senken, großen Kratern und dem handbreit tiefen Mondstaub. Am Ende ging alles glimpflich ab.

Experten schätzten später, dass Jadehase 2, der mit vier der sechs Räder gelenkt wurde, bis zu seinem Einfrieren mehr als 1000 Meter auf seinem imaginären Kilometerzähler stehen hat.

Um ihn fernsteuern zu können, musste sogar eigens ein Satellit hochgeschossen und in Stellung gebracht werden. Sonst wären die lichtschnellen Funkbefehle, die über den Satelliten sozusagen über Bande liefen, ins Nichts gesendet worden.

Top Speed der indischen Weisheit: ein Zentimeter pro Sekunde

Inzwischen kurvten auch die Inder auf dem Mond herum. Am 23. August 2023 nahm „Pragyan“ (Weisheit) Fahrt auf. Ohne Heizung war er von einer Rampe der Mondsonde „Chandrayaan-3“ runtergerollt und bewegte sich ferngesteuert nur einen Zentimeter pro Sekunde. Auftrag: zu demonstrieren, was Indien drauf hat.

Japan schickt zwei Kugeln

Ebenfalls im Griff der Tiefkühltemperaturen sind zwei kuriose Geschöpfe der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA. Die Lunar Exploration Vehicle (LEV) 1 und 2 wurden am 6. Sep-tember 2023 zusammen mit der Raumsonde SLIM (Smart Lander for Investigation Moon) ins All befördert. Sekunden vor dem Aufsetzen im Januar 2024 klinkte SLIM beide Roboter aus, die auf die Oberfläche purzelten. LEV 1 diente als Relais-Station, die die ermittelten Daten von LEV 2 empfing und zur Erde funkte. LEV 2 ist eine Kugel, die sich in der Mittel teilte, per Elektromotor rollte und per Kamera wie wissenschaftlicher Instrumente die Umgebung erkundete.

Es sind noch Parkplätze frei

Nun stehen acht irdische Elektro-Gebrauchtwagen und eine kuriose Kugel weit verstreut im Mondstaub ohne Aussicht, jemals wiedererweckt zu werden. Es ist ein Parkplatz für die Ewigkeit.

Harald Kaiser

Harald Kaiser

Harald Kaiser, Baujahr 1950, ist auf dem verzweigten Schienennetz des Lebens auf dem Abstellgleis angekommen - im Ruhestand. Er war fast 23 Jahre lang Ressortleiter/Autor beim „stern“ für den Bereich Auto+Technik. Nun befindet er sich in der Phase des edlen Verwelkens, also zwischen gepflegt aussehen und gepflegt werden. Kaiser ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt in der Nordheide bei Hamburg.