Nimmt der Markt in China wieder Fahrt auf?

Von Jürgen Pander

Mit dem Beginn der „Auto China“ in Peking wird die enorme Anspannung in der Branche deutlich: Kann der Abwärtstrend des größten Automarkts der Welt gestoppt werden? Und vor allem: Können die vielen Weltpremieren, die auf der Automesse vorgestellt werden, die Kauflust der Kundschaft wieder entfachen?

Das Motto könnte kaum großspuriger sein: „Zukunft der Intelligenz“ lautet der Leitspruch der „Auto China“ (seit 24. April bis 3. Mai), eine der weltweit wichtigsten Messen der Branche. Schließlich ist der chinesische Automarkt nun einmal der größte der Welt. Im vergangenen Jahr wurden dort 24,3 Millionen Neuwagen verkauft, und rund 30 Millionen Pkw rollten aus den dortigen Autofabriken. Wenn sich also die Fahrzeugbranche hier zur globalen Leistungsschau versammelt, dann ist das in jedem Falle zukunftsweisend.

Die Deutschen fahren mächtig auf

Wie intelligent die auf der „Auto China“ präsentierten Neuheiten sind, lässt sich noch nicht einordnen. Was allerdings klar ist: Die deutschen Hersteller fahren mächtig auf in Peking. VW etwa wird bei der Konzern-Veranstaltung zum Messeauftakt vier Weltpremieren enthüllen sowie neue KI-Systeme vorstellen, die künftig die Mobilität prägen sollen. Die vier Premieren-Fahrzeuge werden ein Showcar der neuen Marke Jetta sein, das zweite Modell ein Fahrzeug der ID-Unxy-Baureihe und das erste vollelektrische Modell der neuen Aura-Familie sowie eine Designstudie des zweiten Modells der exklusiv für China gegründeten Marke AUDI (mit Großbuchstaben). Allen Neuheiten gemeinsam ist, dass sie in China und für China entwickelt wurden.

BMW plant ähnlich groß und wird den bislang aufwändigsten Messeauftritt in China hinlegen. Höhepunkt des Portfolios ist die überarbeitete Luxus-Elektrolimousine i7 mit neuer Akkutechnologie und einer Reichweite von mehr als 900 Kilometern. Zudem zeigt BMW die Langversion des Neue-Klasse-Modells iX3 mit um knapp elf Zentimeter längerem Radstand. Insgesamt gebe es für die deutschen Hersteller in China wieder Grund für Optimismus, sagt Automobilexperte Peter Fintl vom Beratungsunternehmen Capgemini: „Wir sehen mutige lokale Entwicklungen mit neuen Partnern, eigene Elektronik-Architekturen speziell für China und Produktoffensiven in einer Taktung, wie wir sie noch nie gesehen haben.“

Neue Impulse durch neue Modelle?

Neue Verkaufsimpulse durch neue Modelle wären willkommen, denn die deutschen Hersteller leiden schon länger unter sinkenden Verkaufszahlen in China. In den ersten Monaten des laufenden Jahres schwächelte der chinesische Markt allerdings insgesamt. Der heimische Autoverband CPCA (China Passenger Car Association) meldete für das erste Quartal 2026 insgesamt 4,2 Millionen verkaufte Pkw – 17 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Für den Einbruch gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind Januar und Februar generell schwache Monate für den Neuwagenverkauf in China. Eine Ursache ist das chinesische Neujahrsfest, dass in diesem Jahr auf den 17. Februar fiel. Weil etliche Chinesen rund um das Neujahrsfest in ihre Heimatregionen reisen um mit der Familie feiern, ist in diesen Tagen das Automobilgeschäft nahezu stillgelegt.

E-Autos werden teurer

Dazu gelten seit Jahresbeginn neue Subventionsregeln für New Energy Vehicles (NEVs) – dazu gehören E-Autos, Plug-in-Hybrid-, Range-Extender- und Brennstoffzellen-Modelle. Bislang waren NEVs von der zehnprozentige Kaufsteuer befreit, seit Jahresbeginn wird jedoch eine reduzierte Kaufsteuer von fünf Prozent fällig. NEVs wurden also teurer. Auch das erklärt den Rückgang der Neuwagenverkäufe insgesamt, und die Einbrüche bei den Elektroautos und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen im Besonderen – sowie den leichten Nachfrageschub für herkömmliche Verbrennermodelle. „Es mag sein, dass die Signale des chinesischen Automarkts auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen. Doch die Innovationskraft, das Kapital und die Aufmerksamkeit der großen Hersteller fließen klar in die reine Elektromobilität“, erklärt Capgemini-Berater Fintl. „Zudem exportiert China diese Dynamik in die Welt, die chinesische Autoindustrie setzt damit weiterhin die Taktung für die globale Elektrifizierung.“

Wenig erbauliche Nachrichten

Die große Frage ist, wie sich der chinesische Automarkt in den kommenden Monaten entwickeln wird. Während der heimische Verband CPCA mit einem ähnlich stabilen Ergebnis wie im vergangenen Jahr rechnet, sind manche Marktbeobachter misstrauisch. Die US-Investmentbank Bernstein etwa prognostiziert einen Rückgang von fünf bis neun Prozent für dieses Jahr. Für die deutschen Hersteller sind das wenig erbauliche Nachrichten. Der China-Absatz von Porsche etwa ging im ersten Quartal dieses Jahres um 21 Prozent zurück, der von Mercedes-Benz um 27 Prozent, der von BMW um 10 Prozent. Auch Volkswagen verzeichnete ein zweistelliges Minus in den ersten drei Monaten in China, fand sich aber dennoch überraschend mal wieder auf Platz eins der Zulassungsstatistik wieder. Das lag jedoch nicht so sehr an der eigenen Stärke, sondern vielmehr am nochmals schwächeren Abschneiden der heimischen Konzerne BYD, Geely oder Changan, die vor allem von den oben erwähnten Subventionsstreichungen bei der Kaufsteuer für Elektro- und Plug-in-Hybridmodelle betroffen waren.

Chinesische Marken unter Druck

So dürfte die „Auto China“ zu einer richtungsweisenden Messe werden. Nicht nur für die deutschen Hersteller, sondern vor allem auch für die zahlreichen heimischen Marken, die ebenfalls unter massivem Wettbewerbsdruck stehen und darauf angewiesen sind, dass die neuen Modelle möglichst viele Kunden überzeugen. (cec)

Pkw-Absatz im ersten Quartal 2026 in China:

1. Volkswagen (Joint Ventures mit FAW und SAIC) 534.283

2. Geely 525.942

3. BYD 376.873

4. Toyota (Joint-Ventures mit GAC und FAW) 326.421

5. Changan 261.577

6. Chery 204.102

7. Tesla 112.798

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