Auch das Elektrozeitalter bekommt seinen GTI
Von Frank Wald
Exakt 50 Jahre nach dem Debüt des ersten GTI hat Volkswagen jetzt den ersten rein elektrisch angetriebenen Vertreter mit dem ikonischen Kürzel präsentiert. Die Weltpremiere bei der 2026-er Ausgabe des 24h-Rennen am Nürburgring schuf dafür die passende Bühne: Motorsport-Atmosphäre, Markenmythos und ein klarer Verweis darauf, dass der GTI auch in der Elektroära als sportlicher Kleinwagen funktionieren soll. Allerdings ist der ID Polo GTI kein Solitär mehr, denn mit dem Cupra Raval VZ Extreme steht bereits das technisch identische Schwestermodell bereit.
Ebenso wie der Raval leistet der neue Wolfsburger Kompaktsportler 166 kW (226 PS) und stellt sein maximales Drehmoment von 290 Newtonmetern ab der ersten Umdrehung bereit. Analog zum ursprünglichen GTI läuft die Kraft über die Vorderachse, unterstützt von einer elektronisch geregelten Vorderachsquersperre. Der Sprint von 0 auf 100 km/h soll damit in 6,8 Sekunden gelingen.












Alltagstauglich
Die technische Basis bildet die MEB+-Architektur mit einer 52-kWh-Batterie in Cell-to-Pack-Bauweise. Volkswagen nennt für den ID Polo GTI eine WLTP-Reichweite von bis zu 424 Kilometern. An der DC-Schnellladesäule soll der Akku mit bis zu 105 kW laden, der Sprung von 10 auf 80 Prozent rund 24 Minuten dauern. In punkto Reichweite und Ladeleistung bewegt sich der elektrische GTI damit in einem alltagstauglichen, aber nicht spektakulären Bereich.
Sportfahrwerk
Zum sportlichen Anspruch gehören das adaptive DCC-Sportfahrwerk und ein GTI-Fahrprofil, das per Taste im Lenkrad aktiviert wird. Dann werden Antrieb, Dämpfung und Anzeigen auf mehr Dynamik geschaltet. Volkswagen setzt damit auf eine klare Übersetzung der klassischen GTI-Formel in die Elektrowelt, soll heißen: sofort abrufbare Kraft, direkteres Ansprechverhalten und eine Abstimmung, die den Wagen spürbar schärfer wirken lässt.
Rote Linie
Optisch bleibt der ID Polo GTI der bekannten GTI-Sprache treu. Der rote Streifen an der Front, das GTI-Logo, die LED-Lichtsignatur und der Wabeneinsatz im unteren Stoßfänger markieren die Sportversion unmissverständlich. Mit 19-Zoll-Leichtmetallrädern und der neuen Designsprache „Pure Positive“ wirkt der Wagen kompakt und sauber proportioniert, ohne nach allzu viel Aufmerksamkeit zu schreien.
Auch das Heck ist klar gezeichnet. Ein geteilter Dachspoiler, markante Rückleuchten und ein schwarzer Diffusor prägen die Silhouette. Volkswagen verzichtet auf überladene Effekte und setzt stattdessen auf Wiedererkennbarkeit. Der ID Polo GTI soll nicht als futuristisches Sondermodell auftreten, sondern als logisch weiterentwickelter GTI im elektrischen Zeitalter.
Klassische GTI-Instrumente, aber digital
So dominiert im Innenraum die vertraute GTI-Farbwelt aus Rot und Schwarz. Rote Ziernähte, eine 12-Uhr-Markierung im Lenkrad, Sportsitze mit GTI-Zeichen und ein roter Streifen über das Armaturenbrett gehören zum Standard. Dazu kommen ein 10,25-Zoll-Digitalcockpit und ein 12,9-Zoll-Infotainmentdisplay. Besonders auffällig ist die sogenannte „Retro-Anzeige“, die klassische Golf-I-Instrumente digital nachbildet, inklusive Kassettengrafik für Musiktracks. Ein bewusst nostalgischer Kontrapunkt in einer ansonsten stark softwaregeprägten Umgebung.