Ende mit Schrecken für Hondas Elektroautos

Von Jens Meiners

In einer überraschenden Wendung hat Honda seine Strategie für Elektrofahrzeuge abrupt zurückgefahren und mehrere geplante Modelle auch der Nobelmarke Acura gestrichen – ebenso wie den vielbeachteten Afeela 1, ein Gemeinschaftsprojekt mit Sony. Der radikale Schritt spiegelt die wachsenden Herausforderungen im globalen EV-Markt wider und markiert eine strategische Neuausrichtung eines der größten Automobilhersteller der Welt.

Die Zeichen standen schon eine ganze Zeit lang an der Wand: Eigentlich sollte das Honda-Werk im US-Staat Ohio, wo demnächst die neuen Elektromodelle vom Band laufen sollten, völlig umgestellt werden. Doch seit einem Jahr wurden die Pläne eingebremst, die Zulieferer informiert: Man brauche noch länger als geplant Komponenten für die erfolgreichen Verbrenner-Modelle, vielleicht werde das Werk auch nur geteilt.

Nun kam der Paukenschlag: Die E-Autos werden komplett eingestampft. Dabei handelt es sich um zwei brutal gezeichnete, extrem futuristische Designerstücke: Den Honda 0 Saloon und den Honda 0 SUV. Schon 2026 sollten die Typen zu Preisen ab ca. 50.000 Dollar (rund 43.500 Euro) auf den Markt kommen, mit Heck- oder Allradantrieb. Auf der gleichen Plattform sollte der Acura RSX stehen, ein hochgelegter SUV mit Premium-Anspruch und etwas konventionellerer Form.

Auch über den Afeela 1 senkte sich der Daumen, eine Premium-Limousine mit einem Preis von ca. 90.000 Dollar, die vom 2022 gegründeten Joint Venture Sony Honda Mobility (SHM) entwickelt wurde. Die im Gegensatz zu den geplanten Honda-Typen eher plump gezeichnete Limousine sollte Hondas Fertigungskompetenz mit Sonys Unterhaltungs- und Softwaretechnologien verbinden und unter anderem fortschrittliche Infotainment-Systeme mit 28 Lautsprechern, KI-Integration sowie PlayStation-Funktionen bieten. Rund 40 Sensoren sollten dem Afeela 1, für den bereits eine SUV-Ableitung angekündigt war, umfassende autonome Fahrfunktionen ermöglichen.

Nicht zuletzt weil der Afeela technisch etliche Komponenten mit den gestrichenen Honda-Elektroautos teilt, sieht sich SHM jetzt außerstande, das Projekt fortzuführen. Die bereits geleisteten Anzahlungen werden an die Kunden zurückerstattet.

Hauptgrund: Fehlendes Kundeninteresse

Alleine das Ende der Honda- und Acura-Typen soll mehr als 15 Milliarden Dollar (ca. 13 Milliarden Euro) kosten, über die Kosten des Afeela-Projektstopps schweigen sich die beteiligten Firmen aus. Hauptgrund für die Entscheidung ist das fehlende Kundeninteresse: Nachdem die US-Regierung die massiven Subventionen für Elektroautos zurückgenommen hat, ist der Marktanteil trotz massiver Verkaufsförderungen seitens der Hersteller auf bescheidene fünf Prozent abgestürzt.

Mittlerweile setzt sich bei immer mehr Autoherstellern die Erkenntnis durch, dass die Elektromobilität massiv überschätzt wurde – und der drastische Einschnitt bei Honda beweist, dass man auch unter anderen politischen Vorzeichen nicht mehr an den Durchmarsch der Stromer glaubt.

Globaler Trend

Honda reiht sich damit in einen globalen Trend ein. So haben Ford und die Stellantis-Marke Ram die Arbeiten an elektrischen Pick-up-Baureihen eingestellt, in China kommen zahlreiche neue Verbrenner auf den Markt, und im obersten Marktsegment hat beispielsweise Lamborghini den geplanten vollelektrischen Crossover-Modell Lanzador gestoppt.

(copyright Auto-Medienportal)

Honda 0 Saloon und SUV.
Honda 0 Saloon.
Honda 0 Saloon.
Honda 0 Saloon.
Honda 0 Saloon.
Honda 0 Saloon.
Acura RSX Concept.
Acura RSX Concept.
Acura RSX Concept.
Afeela 1.
Afeela 1.
Afeela 1.
Afeela 1.
Afeela 1.
Afeela 1.